Lexikon

Kameralistik

Definition

Die Kameralistik war über Jahrzehnte hinweg die klassische Buchführungsmethode der öffentlichen Verwaltung, Die Bezeichnung leitet sich von lateinisch camera – hier etwa „fürstliche Schatztruhe“ – ab und findet sich heute noch im Begriff Kämmerer wieder. Seit 2005 wurde die Kameralistik nach und nach auf die Doppik umgestellt, wo anstelle von Ausgaben und Einnahmen die Aufwendungen und Erträge betrachtet werden. Während die Doppik die Buchung auf jeweils zwei Konten verwendet, verwendet die Kameralistik einen Gruppierungsplan, der den Zusammenhang zwischen Haushaltsrechnung und Vermögensrechnung herstellt, und einen Funktionenplan.1 Während die Kameralistik bei den Kommunen fast flächendeckend durch die Doppik ersetzt worden ist, müssen die Kommunen in Baden-Württemberg die Umstellung bis zum 1. Januar 2020 abgeschlossen haben.2

Ziele der Kameralistik

Das Hauptziel der Kameralistik ist es, die aufgestellte Planung in Bezug auf die Einnahmen und Ausgaben mit den im Endergebnis enthaltenen Einzahlungen und Auszahlungen zu vergleichen. Da im Haushalt alle Zahlen festgehalten werden, kann dieser zusammen mit der Jahresrechnung verwendet werden, um die ursprüngliche finanzielle Jahresplanung mit dem tatsächlichen Status der Finanzen zu vergleichen. Die Methode der Kameralistik liefert Kommunen also einen guten Ansatzpunkt, um den Soll- und Ist-Zustand der Finanzen zu vergleichen. Die Kameralistik soll auch dazu dienen die Pünktlichkeit der Einzahlungen und Auszahlungen zu kontrollieren.3

Vergleich: Kameralistik und Doppik 4

Warum wird die Kameralistik durch die Doppik abgelöst?

Der kommunale Haushalt orientiert sich mit seinem Aufbau an der Kameralistik. In diesem werden alle Einnahmen und Ausgaben aufgeführt, jedoch nicht die Abschreibungen, Schulden, Rückstellungen und alle Sachvermögen. In der Doppik hingegen finden aber neben den finanziellen Zielen auch die Sachziele Anwendung.5

Die Umstellung von der Kameralistik auf die Doppik bringt für die Kommunen konkrete Vorteile mit sich. Die Abbildung aller Vermögenswerte sowie Verbindlichkeiten durch die doppelte Buchführung liefert der Kommune einen der größten Mehrwerte.6 Des Weiteren werden alle Abschreibungen und Rückstellungen festgehalten. Konkrete Entwicklungen im Haushalt werden also durch die Doppik erkenntlich gemacht. Das bedeutet, dass die am Ergebnis orientierte Steuerung rechtzeitig Probleme und Änderungen im Haushalt erkenntlich macht und die Möglichkeit gibt, dem entgegenzuwirken. Die Doppik ermöglicht eine Beurteilung der Situation einer Kommune durch die Berücksichtigung von Vermögenswerten sowie Schulden und Abschreibungen über die GuV. 7

Bei der Entscheidungsfindung in Verwaltungen kann durch die Doppik auf vollständigere Informationen zurückgegriffen werden. Die Gemeindevertreter und insbesondere die Kämmerer erhalten einen vollständigeren Überblick über die Entwicklung des Vermögens sowie die genaue konkrete Mittelverwendung. Dies hat zur positiven Folge, dass insbesondere die Aufnahme von Verbindlichkeiten zielgerichteter evaluiert werden kann.

Vorteile der Kameralistik und erweiterten Kameralistik

Die kameralistische Buchhaltung liefert für die Kommune als bestehendes System auch Vorteile: Hier ist vor allem die klare Aufzeichnung der Geldströme zu nennen, die durch die Kameralistik genau dokumentiert werden. Ein Vorteil der Kameralistik ist, dass sie ein klares Bild über die finanzwirtschaftliche Effizienz liefert. Diese Betrachtung des Zahlungsstroms in der Kameralistik liefert große Vorteile im Hinblick auf die Finanzplanungen der Kommune. Somit können die tatsächlichen finanziellen Entwicklungen mit den ursprünglich geplanten Einnahmen und Ausgaben verglichen werden.8

Die erweiterte Kameralistik

Die erweiterte Kameralistik liefert eine Ergänzung zur klassischen Kameralistik durch eine zusätzliche Kosten- und Leistungsrechnung. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um welche Elemente die Kameralistik erweitert werden kann. Hierzu zählt zum Beispiel das Controlling sowie Output orientierte Ziele, Kennzahlen und eine Bilanzrechnung. Einer der wichtigsten Aspekte der erweiterten Kameralistik ist die KLR, durch die der Ressourcenverbrauch auch in der Kameralistik ergänzt wird und abgebildet werden kann. Befürworter der erweiterten Kameralistik führen an, dass die erweiterte Kameralistik im Vergleich zur Doppik deutlich geringere Einführungskosten verursacht, aber eine vergleichbare Dichte an Informationen liefert.9

Nachteile der Kameralistik

Die Methode der Kameralistik wird den vielfältigen Anforderungen an die Verwaltung nur unzureichend gerecht. Der Kassenabschluss führt die Ist Einnahmen und Ist-Ausgaben eines Haushaltsjahres auf. Da nur Zahlungsströme festgehalten werden, fehlt eine Erfassung der weitergehenden Vermögenslage sowie der Erträge und Aufwendungen, welche die Veränderungen des Vermögens widerspiegeln.

Durch die mangelnde zeitliche Abgrenzung der Einnahmen und Ausgaben kann keine genaue Aussage über die Inanspruchnahme von etwaigen Ressourcen und die Wirtschaftlichkeit getroffen werden.10

Die fehlende Berücksichtigung von Abschreibungen und Rückstellungen führt ebenfalls dazu, dass keine genaue Aufstellung über die Ressourcenverwendung möglich ist.11

Durch die Geldverbrauchsrechnung in der Kameralistik werden die Finanzziele in den Vordergrund gestellt. Eine differenzierte Betrachtung der Sachziele des öffentlichen Haushalts ist durch die fehlende Berücksichtigung der gesamten Vermögensentwicklung nur schwer möglich.12

Fazit

Zu einem großen Teil haben die Kommunen ihre Buchführungsmethode bereits von der Kameralistik auf die Doppik umgestellt. Vereinzelt nutzen Kommunen in den Bundesländern Baden-Württemberg, Bayern, Schleswig-Holstein und Thüringen noch das kameralistische Verfahren.

Da der Prozess der Umstellung Ressourcen und Zeit in Anspruch nimmt, laufen einige Kommunen Gefahr, die Umstellung nicht im vorgegebenen Zeitrahmen abzuschließen. Für die Kommunen aus Baden-Württemberg kann es beispielsweise bei Nichteinhaltung der Deadline am 1. Januar 2020 könnte es Probleme mit der Haushaltsaufstellung geben.13

Die Umstellung von der Kameralistik auf das neue System der Doppik brachte für die Kommunen in erster Instanz zwar Zusatzbelastungen wie hohe Kosten durch die Umstellung aber langfristig positive Effekte mit sich:

  • Kürzere Kreditlaufzeiten
  • Nachvollziehbare Entscheidungen durch mehr Informationen
  • Übersichtlichere Darstellung der Finanzsituation
  • Fundiertere Entscheidungen durch zusätzliche Informationen

Durch das System der Doppik hat die Kommune neue Möglichkeiten, ihre Entscheidungen im Hinblick auf die Finanzwirtschaft und den Ressourcenverbrauch gewissenhafter zu treffen. Zudem steht eine klare Steuerung über die Ziele durch die Doppik im Vordergrund und nicht der reine Geldfluss.

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