Lexikon
Kämmerer: Aufgaben, Verantwortung und aktuelle Herausforderungen
Was ist ein Kämmerer?
Als Kämmerer bezeichnet man den Leiter der Finanzverwaltung einer Kommune. Der Begriff des Kämmerers stammt vom lateinischen Wort „camera“ (deutsch Kammer). Der „Camerarius“ (deutsch Kammermeister) bezeichnete im Mittelalter den Bediensteten eines Fürstenhofs bzw. Klosters, der für die Verwaltung der Schatzkammer zuständig war. Pendant des Kämmerers auf Bundes- und Landesebene ist der Finanzminister.1
Rechtliche Grundlagen
Die rechtliche Grundlage für die Funktionen und Aufgaben des Kämmerers bilden die Kommunalverfassungen bzw. Gemeindeordnungen der jeweiligen Länder. Dabei unterscheiden sich sowohl die verwendeten Bezeichnungen als auch die konkrete rechtliche Ausgestaltung.
Der Begriff des Kämmerers bzw. Stadtkämmerers wird unter anderem in Hessen (§ 45 Abs. 2 HGO), Nordrhein-Westfalen (§§ 70 und 80 GO NRW), Niedersachsen (§ 108 NKomVG) und Brandenburg (§ 64 BbgKVerf) ausdrücklich verwendet. Auch die Gemeindeordnung Schleswig-Holstein verwendet die Bezeichnung Kämmerer.2
In der Gemeindeordnung für das Land Baden-Württemberg findet sich dagegen die Bezeichnung des „Fachbediensteten für das Finanzwesen“ (§ 116 GemO). In der Kommunalverfassung für das Land Mecklenburg-Vorpommern wird von der „Leiterin oder dem Leiter der Finanzverwaltung“ (§ 51 KV M-V) gesprochen.3
Unabhängig von der Bezeichnung in der jeweiligen Kommunalverfassung ist die Bezeichnung Kämmerer für den für die Finanzverwaltung einer Kommune Verantwortlichen allgemein gebräuchlich.4
Aufgaben des Kämmerers und zugeordnete Fachbereiche
Hauptaufgabe des Kämmerers ist die Erstellung des Haushaltsplans. Der Haushaltsplan enthält eine Gegenüberstellung aller für das nächste Haushaltsjahr bzw. die nächsten beiden Haushaltsjahre (Doppelhaushalt) veranschlagten Einnahmen und Ausgaben sowie die Erträge und Aufwendungen der Gemeinde.
Dafür geben die einzelnen Fachbereiche der Gemeindeverwaltung ihre Haushaltsanmeldungen an den Kämmerer, welcher die Aufgabe hat, die einzelnen Haushaltsanmeldungen zu einem Gesamthaushaltsentwurf zusammenzutragen.5
Eine weitere Aufgabe des Kämmerers besteht im Bereich des Zins- und Anlagemanagements. Hier hat der Kämmerer auf der einen Seite die Aufgabe, die Finanzierungsstruktur der Kommune so zu gestalten, dass Zinsausgaben und Finanzierungsrisiken gesteuert und der finanzielle Spielraum der Kommune für zukünftige Investitionsprojekte erhalten werden. Auf der anderen Seite ist der Kämmerer dafür verantwortlich, dass das kommunale Finanzvermögen entsprechend der geltenden Vorgaben angelegt wird.6
Als Leiter der Finanzverwaltung einer Kommune sind dem Kämmerer in der Regel die folgenden Fachbereiche bzw. Ämter unterstellt:7
- (Stadt-)Kämmerei (Finanz-/Haushaltsplanung)
- (Stadt-)Kasse
- Steueramt
Die genaue Ausgestaltung bzw. Gliederung der Ämter und Sachgebiete kann je nach Kommune unterschiedlich gestaltet sein. So können die Ämter/Sachgebiete etwa separat gegliedert sein mit jeweils einem eigenen Amtsleiter, der direkt dem Kämmerer unterstellt ist. Begrifflich zu unterscheiden ist hier entsprechend der Amtsleiter der Kämmerei, auch Kämmereileiter, vom Kämmerer.
Unterschiedliche Organisationsmodelle zeigen beispielsweise die Städte Frankfurt am Main, Dresden und Erlangen. Je nach Kommune werden Kämmerei, Kasse und Steuerverwaltung getrennt oder innerhalb größerer Organisationseinheiten zusammengefasst.8
Darüber hinaus können dem Kämmerer, abgesehen von den drei oben genannten Ämtern, weitere Ämter zugeordnet sein. Hier ist zum Beispiel das Liegenschaftsamt zu nennen. Kämmerei, Steueramt und (Stadt-)Kasse sind für folgende Sachgebiete verantwortlich.
Kämmerei
- Aufstellung der Haushaltssatzung sowie des Haushaltsplans
- Erstellung des Jahresabschlusses
- Kosten- und Leistungsrechnung
- Zins- und Anlagemanagement
Steueramt
- Einziehung von Gemeindesteuern (Grundsteuer, Gewerbesteuer, Hundesteuer) sowie von Gebühren und Beiträgen (z. B. Gebühren für Abwasser sowie Abfall- und Straßenreinigung)
(Stadt-)Kasse
- Abwicklung des allgemeinen Zahlungsverkehrs
- Bearbeitung von Insolvenzverfahren
- Forderungsmanagement / Mahn- und Vollstreckungsmaßnahmen
Aktuelle Herausforderungen für Kämmerer
Die Anforderungen an das kommunale Finanzmanagement haben sich in den vergangenen Jahren deutlich erhöht. Das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität schafft dabei neue finanzielle Spielräume, stellt Kämmereien zugleich aber vor zusätzliche Planungs- und Steuerungsaufgaben. Das Sondervermögen umfasst eine Kreditermächtigung von 500 Mrd. Euro und wurde durch eine Grundgesetzänderung im März 2025 ermöglicht. Davon stehen 100 Mrd. Euro den Ländern für Investitionen in ihre eigene Infrastruktur und die der Kommunen zur Verfügung. Investitionen aus dem Sondervermögen können von 2025 bis 2036 bewilligt werden.9
Für Kämmerer bedeutet dies insbesondere, zusätzliche Investitionsmöglichkeiten mit der kommunalen Haushalts- und Finanzplanung zu verzahnen, Investitionsvorhaben zu priorisieren sowie Fördermittel, Eigenmittel und gegebenenfalls weitere Finanzierungen aufeinander abzustimmen. Gleichzeitig bleibt die strukturelle Finanzlage vieler Kommunen angespannt. Das KfW-Kommunalpanel 2026 weist für 2025 kommunale Schulden von 196 Mrd. Euro und einen wahrgenommenen Investitionsrückstand von 231,2 Mrd. Euro aus. 22 Prozent der befragten Kommunen rechnen bereits 2026 mit höheren Investitionen infolge des Sondervermögens, für das Folgejahr sind es 38 Prozent.10
Hinzu kommt die Zinswende seit 2022. Mit dem Ende der Negativzinsphase haben Zinsbindungen, Laufzeiten, Refinanzierungszeitpunkte und die Steuerung des kommunalen Schuldenportfolios wieder deutlich an Bedeutung gewonnen.11 Gleichzeitig erschwert der Fach- und Arbeitskräftemangel den Kommunen die Besetzung qualifizierter Stellen. Damit gewinnen standardisierte und digitale Prozesse auch in den Finanzverwaltungen weiter an Bedeutung.12
Digitale Vermittlungsplattformen als Chance für Kämmereien
Um dem hohen Kostendruck, steigenden Investitions- und Finanzierungsbedarfen sowie begrenzten personellen Ressourcen zu begegnen, bieten sich den Kommunen digitale Vermittlungsplattformen für Kommunalkredite an. Die Nutzung digitaler Kommunalfinanzierungsplattformen ermöglicht es Kommunen auf der einen Seite, bestehende Prozesse durch den Einsatz digitaler Technologien zu standardisieren sowie auf der anderen Seite von einem erweiterten Zugang zu Darlehensgebern zu profitieren.
Die Digitalisierung des kommunalen Finanzmanagements ist inzwischen deutlich vorangeschritten. Laut Trendbarometer Kommunalfinanzierung 2025 von TU Darmstadt und komuno nutzen 40 Prozent der befragten Kommunen professionelle Software für ihr Schuldenmanagement; 43 Prozent veröffentlichen ihre Finanzausschreibungen bereits über einen digitalen Marktplatz. Als Vorteile werden unter anderem Transparenz und Vergleichbarkeit der Kreditangebote, Zugang zu Finanzierungspartnern, Dokumentation und Zeitersparnis genannt.13
komuno – die digitale Plattform für Kommunalkredite – setzt in eben diesen Bereichen an und unterstützt die Kämmerer und deren Gemeinden bei effizienten und transparenten Ausschreibungsprozessen. Die Kämmerer/Gemeinden profitieren somit zum einen von der Zeitersparnis durch die Digitalisierung des Ausschreibungsprozesses. Zum anderen ermöglicht komuno den Kämmerern/Gemeinden den Zugang zu einer größeren Angebotsbasis und damit die Möglichkeit, Angebote und Kreditkonditionen transparent miteinander zu vergleichen.
Quellen und Studien:
1 HaushaltsSteuerung.de – Kämmerer/Kämmerin: https://www.haushaltssteuerung.de/lexikon-kaemmerer-kaemmerin.html
2 Hessische Gemeindeordnung – Hessenrecht: https://www.rv.hessenrecht.hessen.de/bshe/document/jlr-NNLHE000050B2; Gemeindeordnung Nordrhein-Westfalen – RECHT.NRW.DE: https://recht.nrw.de/lrgv/gesetz/01012026-gemeindeordnung-fuer-das-land-nordrhein-westfalen-bekanntmachung-der/; § 108 NKomVG – NI-VORIS: https://voris.wolterskluwer-online.de/browse/document/7876d951-7b2a-3ad8-ae2a-affa6c6670ab; Brandenburgische Kommunalverfassung – BRAVORS: https://bravors.brandenburg.de/gesetze/bbgkverf; Gemeindeordnung Schleswig-Holstein: https://www.gesetze-rechtsprechung.sh.juris.de/bssh/search
3 Gemeindeordnung Baden-Württemberg: https://beteiligungsportal.baden-wuerttemberg.de/fileadmin/redaktion/beteiligungsportal/IM/Gemeindeordnung.pdf; Kommunalverfassung Mecklenburg-Vorpommern: https://www.landesrecht-mv.de/bsmv/document/jlr-KVMV2024rahmen
4 HaushaltsSteuerung.de: https://www.haushaltssteuerung.de/lexikon-kaemmerer-kaemmerin.html
5 Schwarting, „Der kommunale Haushalt“, 5. Auflage 2019, Erich Schmidt Verlag: https://www.esv.info/978-3-503-18257-2
6 KOWID – Kommunales Zins- und Anlagemanagement in Zeiten digitaler Plattformen: https://kowid.de/case_study/kommunales-zins-und-anlagemanagement-in-zeiten-digitaler-plattformen/
7 HaushaltsSteuerung.de: https://www.haushaltssteuerung.de/lexikon-kaemmerer-kaemmerin.html
8 Stadt Frankfurt am Main – Dezernat Finanzen, Beteiligungen und Personal: https://frankfurt.de/service-und-rathaus/stadtpolitik/magistrat/dezernate/dezernat-vi—finanzen-beteiligungen-und-personal; Landeshauptstadt Dresden – Haushalt und Stadtkämmerei: https://www.dresden.de/de/rathaus/aktuelles/haushalt/dokumente.php; Stadt Erlangen – Stadtkämmerei: https://erlangen.de/amt/37805
9 Bundesministerium der Finanzen: https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/FAQ/SVIK/sondervermoegen-infrastruktur-klimaneutralitaet.html
10 KfW-Kommunalpanel 2026: https://www.kfw.de/%C3%9Cber-die-KfW/KfW-Research/KfW-Kommunalpanel.html
11 Deutsche Bundesbank – EZB-Rat erhöht Leitzinsen, Juli 2022: https://www.bundesbank.de/de/aufgaben/themen/ezb-rat-erhoeht-leitzinsen–894774
12 Deutscher Städtetag – Personal im öffentlichen Dienst: https://www.staedtetag.de/themen/personal-im-oeffentlichen-dienst
13 Trendbarometer Kommunalfinanzierung 2025: https://komuno.de/trendbarometer-kommunalfinanzierung-2025-digitalisierung-unterstuetzt-die-professionalisierung-der-kaemmereien-nach-innen-und-aussen/
News zu komuno
Kommunale Handlungsfähigkeit im Fokus: komuno beim 22. Deutschen Kämmerertag
Unter dem Leitgedanken „Handlungsfähigkeit sichern – Zukunft gestalten“ treffen sich Expertinnen und Experten aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft auf dem 22. Deutschen Kämmerertag in Berlin zum Austausch über die Zukunft der Kommunalfinanzen. komuno ist auch 2026 dabei.
klartext. komuno trifft LBS Hessen-Thüringen. Neue Impulse für die Kommunalfinanzierung mit kombinierter Kredit- und Bausparlösung
Im Gespräch erklärt Thomas Gückel von der LBS Hessen-Thüringen, wie Kommunen durch die Kombination aus Kredit und Bausparvertrag Finanzierungskosten optimieren, langfristige Zinssicherheit schaffen und zugleich flexibel bleiben können.
klartext. komuno trifft Independent Credit View AG, Zürich
Während Kommunen verlässliche Finanzierungspartner und wettbewerbsfähige Konditionen suchen, benötigen Banken und Investoren belastbare Einschätzungen zur Bonität und Entwicklung öffentlicher Schuldner. Genau hier setzt Independent Credit View AG aus Zürich an.
Treffen Sie komuno auf der Bundesarbeitstagung der Kommunalkassenverwalter in Würzburg
Am 24./25. Juni 2026 diskutieren 500 Kommunalkassenverwalter aus dem ganzen Bundesgebiet in Würzburg Lösungen rund um Digitalisierung, Kassen- und Vollstreckungswesen. Die Bundesarbeitstagung findet alle zwei Jahre im Wechsel mit den Landesarbeitstagungen statt – dieses Jahr im Congress Centrum Würzburg. komuno ist bereits zum vierten Mal Partner der Veranstaltung.
